Erste Gehversuche im Pulloverstricken
Manchmal stolpert man in Projekte hinein die man nie erwartet hätte. Mir war eigentlich nie in den Sinn gekommen einen Pullover zu stricken. Dafür gab es zwei Hauptgründe.
a) Die Aufgabe erschien riesig.
b) Bei Stickpullovern dachte ich immer an die verhassten, kratzigen Exemplare die meine Kindheit begleitet hatten. Und mein Erwachsenenwissen darüber wie umständlich Wolle zu waschen sein kann verbessere die Lage nicht.
Doch als die Erkenntnis reifte dass man ja nicht unbedingt Wolle benutzen muss, sah die Welt auf einmal ganz anders aus. Der Gedanke Baumwolle zu nutzen setze eine Reaktion in Gang, die durch den Zustand meines Kleiderschranks beflügelt wurde.
Ich besitze einige Sweatshirts die mich schon mehr als zwanzig Jahre begleiten. Dass sie so lange halten zeugt von einer Qualität die heutzutage schwer zu finden ist. Aber inzwischen ist es nicht mehr zu übersehen dass der Zahn der Zeit an einigen dieser so treuen Stücke nagt.
Und so war der Gedanke einen Pullover zu stricken plötzlich da. Mir hatten die Farbwechsel im Stickadventskalender unglaublich gut gefallen.( Festliches Stricken) Das Material ist eine Mischung aus Baumwolle und Polyacryl und soll bei 40°C waschbar sein. Ideal für dieses Vorhaben. Meine Wahl fiel auf die Farbzusammenstellung Blue Sky auf https://www.garnmanufaktur.com.

Also alles bereit, oder? Halt, wie strickt man eigentlich einen Pullover?
Ich machte mich auf die Suche nach geeigneter Literatur und landete bei Das Grosse Pulli Stickbuch von Babette Ulmer u.a. Der Untertitel versprach 3 Grundschnitte 1000 Möglichkeiten. Das klang nach etwas was sich an meine Bedürfnisse anpassen lassen sollte.
Leider fand ich nicht den erwarteten Baukasten sondern drei Grundmuster mit ein paar Variationen. Die Informationen wie man die Anleitungen an eigenen Ideen anpasst hätten ausführlicher sein können. Außerdem basierten die meisten Anleitungen darauf einzelne Teile zu sticken und diese zusammen zu nähen. Nähen ist nicht meine Stärke und gefiel mir dieses Konzept weniger.
Nach etwas hin und her Überlegen hatte ich, mit grober Orientierung am einfachsten Grundschnitt, einen Plan entwickelt von dem ich mir ein brauchbares Resultat versprach.
Ich nahm eines meiner vorhandenen Sweatshirts als Maßvorlage und erstellte eine Maschenprobe um die benötigte Anzahl an Maschen zu errechnen.
Ich entschied mich dafür den unteren Teil in Runden zu stricken anstatt zwei separate Teile zu erstellen. Beim Muster orientierte ich mich an einem im Buch vorgestellten Model.
Die ersten Runden war eine kleine Herausforderung da ich darauf achten musste das Gestrickte nicht zu verdrehen. Danach war fleißig stricken angesagt, mit den vorher ausgerechneten Farbwechseln.

Es vergingen mehrere Monate bis ich mich an den Punkt vorgearbeitet hatte an dem die Arbeit in Vorder- und Rückteil geteilt werden musste um Öffnungen für die Ärmel zu erstellen. Ich besorgte mir ein zweites Kabel für die Rundsticknadel um besser zwischen den beiden Teilen wechseln zu können.
Nachdem der Hauptteil fertig war stand ich vor der Herausforderung die im Buch angegebenen Abnahmen für den Halsausschnitt an meine Maschenzahl anzupassen.


Nachdem diese Hürde erfolgreich gemeistert war, ging es an die Ärmel. Ich fand im Buch keine Anleitung mit der ich zufrieden war, also hieß es improvisieren. Mit einer erneuten Maschprobe um Breite und Höhe zu erfassen, ging es ans Rechnen.
Wieder diente mein vorhandenes Sweatshirt als Vorlage und mit etwas hin und her Rechnen kam ich auf eine Zunahme von einer Masche alle zwei Reihen.
Zur Überprüfung meiner Berechnungen rechnete ich außerdem aus wie hoch die einzelnen Farbstreifen sein musste um die gewünschte Länge zu erreichen. Beim Nachmessen fielen diese allerdings etwas kleiner aus, so dass ich ein paar Zusatzreihen pro Farbe einfügte.
Diesen Schritt hätte ich besser lassen sollen, da die Ärmel am Ende tatsächlich etwas zu lang waren. Die ursprünglichen Berechnungen wären wahrscheinlich hingekommen.

Nachdem die Ärmel fertig waren musste ich das ganze noch zusammen nähen. Ich entschied mich dafür die von Hand zu tun und das original Strickgarn zu benutzen. Ich brauchte etwas länger als gedacht, war aber am Ende mit dem Resultat zufrieden. Und nach monatelanger Arbeit war ich endlich an dem Punkt angelangt an dem ich den Pullover das erste mal anziehen konnte.

Trotz der etwas langen Ärmel bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Der Pullover hat schon einige Wäschen problemlos überstanden. Ich bin schon am planen was ich beim nächsten Mal Verbesser kann, denn ein nächstes Mal wird es bestimmt geben.
