Das Kettdesaster
Als der Basar an der Schule meines Kindes immer näher rückte, musste ich feststellen dass ich kaum präsentable Geschirrtücher auf Vorrat hatte. Wenn ich das ändern wollte musste ich schnell handeln. Da mir nur wenig Zeit blieb, brauchte ich etwas auf das ich mich verlassen konnte, etwas das sich schon als zuverlässig erwiesen hatte.
Ich durchforstete die Projekte der letzten Jahre, und entschied mich für eine Reihe von Geschirrtüchern die ich 2020 ausprobiert hatte. Das Design basierte auf Tischuntersetzern im Buch Ashford Book of Projects for the Eight Shaft Loom von Elsa Krogh. Das benötigte Material war vorhanden, so dass diesem Projekt nichts im Weg stand.
Ich spielte mit dem Gedanken etwas an den Maßen zu ändern, aber ein Blick auf den Entwurf zeigte dass dieses Muster auf einer festen Anzahl von Kett- und Schussfäden basiert um das Schachbrettmuster zu erzeugen. Jede Änderung hätte bedeuten etwas and der Fadenreihenfolge zum ändern, also verwarf ich den Gedanken.
Das Projekt bot eine Gelegenheit Daten darüber zu sammeln wieviel Zeit und Material es dafür braucht. Ich wog das Garn vor Beginn und führte Buch über die benötigte Zeit für jeden Arbeitsschritt.
Ich brauchte eine 8 m lange Kette, mit 508 Fäden. Ich hatte mehrere Spulen mit weißen 8/2 er Baumwollgarn, und war mir sicher mit 4 Fäden schären zu können. Natürlich waren die kleineren Spulen alle lange bevor ich fertig war, und so musste ich mit zwei Fäden weiter schären. Beim Bedarf für eine Kette verschätzt man sich gerne, also immer nochmal nachrechnen!
Ich erstellt die Kette in zwei Hälften und brauchte ca 2 h 20 min insgesamt. Eine weitere halbe Stunde war nötig die Kette in den Reedekamm einzulegen.
Und hiermit sollte das Desaster beginnen.
Ich weiß nicht aber es Flüchtigkeitsfehler oder oder ein anderer, bisher nicht identifizierter Faktor beim Schären war, aber die Kette stellte sich als Chaos aus Fäden ungleichmäßiger Längen heraus. Und so wurde aus dem Bäumen eine 1 1/2 stündige Tortur. Am Ende hing ein fürchterliches Gewirr vom Fadenkreuz und es brauchte weitere zweit Stunden dieses zu entwirren. Muss ich noch erwähnen dass ich dabei die ganze Zeit am Fluchen war?
Der Fadeneinzug war für mich schon immer ein ungeliebter Teil des Webens. Jedes Mal erinnert es an eine endlose Folter bei der der Körper in Positionen gedreht wird für die er einfach nicht gemacht ist. Und wie es aussieht lag ich bei der Einschätzung endlos (fast) richtig. Am Ende hatte ich über 5 Stunden Arbeit, verteilt auf zwei Tage, notiert. Und dabei handelte es sich um eine relativ einfache Sequenz und “nur” 508 Fäden. Damit ist meine Tendenz bestätigt längere Ketten zu bäumen um möglichst viel Nutzen aus jedem Einrichten des Webstuhls zu ziehen.
Nach weitern zwei Stunden war der Blatteinzug und die Verschnürung fertig und es konnte endlich gewebt werden. Ich wusste schon immer das den Webstuhl einrichten lange dauert, aber mit insgesamt fast 14 Stunden hatte ich nicht gerechnet. Aber immerhin zahlte sich das kontrollieren jeder Einzugssequenz aus, den es waren keine Fehler vorhanden.

Ich hatte noch 8/2er Baumwollgarn und 22/2er Baumwolle/Leinen in verschiedenen Farben in meinem Vorrat und konnte so jedes Geschirrtuch in einer anderen Farbe weben. Ein kleiner Rechenschieber auf dem Webstuhl half dabei die Trittsequenzen zu zählen. Die Tücher landeten jeweils bei ca. 85 cm Länge und ich brauchte für jedes etwa 1 h 45 min Zeit.
Die größte Überraschung wartete am Ende. ich war davon ausgegangen dass 8 m Kette locker für 8 Geschirrtücher reichen würden. Ich hatte sogar überlegt ob es 9 werden könnten, bis mir auffiel dass ja bei jedem ein Saum von 4 cm auf jeder Seite dazu kam. Aber als ich mit 2/3 von Nummer 8 fertig war, hatte ich die Kette bis direkt hinter die Schäfte vorgelassen, und es war kein brauchbares Fach mehr zu bilden. So musste ich wohl oder Übel aufgeben und das bis dahin Gewebte vom Webstuhl nehmen.
Ich sichere die Ränder immer durch einen Zig-zack Stich und wasche sie, bevor ich den richtigen Saum umnähe. Die Tücher sahen frisch vom Webstuhl sehr groß aus und ich fragte mich ob ich mich in den Maßen verschätzt hatte.

Nach dem Waschen hatten die Tücher eine Größe von 70 x 43 cm, was mir recht gut gefiel.
Auf Grund von technischen Missgeschicken gingen leider meine Daten über die benötigte Zeit bei den letzten Arbeitsschritten verloren. Ich würde schätzen dass es pro Tuch nochmal gut eine Stunde brauchte um dieses fertig zu stellen. Am Ende stellte sich das Weben als der einfachste Teil heraus. Ich brauchte für das Einrichten des Webstuhls tatsächlich länger als für das Weben an sich.
Mit den Geschirrtüchern war ich am Ende sehr zufrieden. An Materialbedarf errechnete ich einen Schnitt von € 15. Aber für mich liegt der Wert mehr in der Qualität des handgemachten Stücks.

