suint fermentation
Seit ich das erste Mal Rohwolle in den Fingern hatte, bin ich auf der Suche nach der besten Methode diese zu Reinigen. Normalerweise bedeutet dies, über die Badewanne gebeugt, zu versuchen die Wolle in einer alten Babybadewanne zu waschen.
Die Badewanne sieht danach meistens aus wie ein Schlachtfeld.
Als ich daher vor kurzem dem Begriff suint fermentation begegnete, war mein Interesse geweckt. Eine kurze Suche ergab dass suint soviel heißt wie Wollfett oder Wollschweiß, und die Methode besteht darin die Wolle in halbwegs warmem Wasser für etwa eine Woche einzuweichen. Organismen im Wollschweiß reinigen dann die Wolle wie von Zauberhand.
Ich fand einen Blogbeitrag der diesen Vorgang beschreibt, und beschloss die Methode auszuprobieren. Ich besorgte eine Tonne und nach ca. zwei Wochen Dauerregen war diese mit Wasser gefüllt.
Die Wolle kam für eine leichtere Handhabung in einen Raschelsack, und ich musste Steine dazu geben um den Sack unter Wasser zu halten.


Immer wieder kontrollierte ich die Tonne, und wartete auf die Luftblasen die anzeigen sollten dass der Reinigungsprozess im Gange war. Nach etwa 10 Tagen erinnerte der Geruch stark an Gülle, aber Luftblasen waren keine zu sehen. Stattdessen hatte sich eine undefinierbare Schicht an der Oberfläche gebildet.

Ich entfernte den Sack aus der Brühe, und spülte die Wolle zwei mal in klarem Wasser. Sie sah nicht sonderlich sauber aus, aber ich hatte mir Wolle gegriffen die nicht nur Fett, sondern auch einiges an Matsch und Dreck enthielt. Diese Verunreinigungen hatten andere Methoden vorher auch nicht wirklich entfernt.


Um besser sehen zu können was diese Art zu Waschen wirklich bringt, startete ich einen zweiten Versuch, diesmal mit vorsortierter Wolle mit wenig Verunreinigungen.

Die suint Brühe soll mit jedem Bad wirkungsvoller werden, daher füllte ich die Tonne nur mit frischem Wasser auf um der Wolle mehr Platz zu geben. Es fühlt sich widersprüchlich an, Wolle zum reinigen in diese unangenehm riechende Brühe zu tauchen. Aber die Natur wirkt manchmal Wunder, also ließ ich mich auf das Experiment ein.


Sobald beide Durchgänge trocken waren, fing ich an die Wolle zu verarbeiten. Der zweite Schwung macht einen vielversprechenden Eindruck, mit Locken die sich mit mit der Flick Karde auskämmen lassen. Die Wolle ist tatsächlich fettfrei, und sieht nach dem kämmen spinnfertig aus. Ich werde sie trotzdem wahrscheinlich noch einmal durchspülen.
Die Erste Charge ist immer noch voll mit Dreck und Pflanzenmaterial, und es wird wohl einiges an Geduld uns Zeit brauchen daraus brauchbare Wolle zu machen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieser Methode die Wolle mindestens so sauber macht wie meine vorherigen Versuche, mir aber einiges an Mühe und Waschsoda erspart. Daher wird sie wohl ab jetzt öfters zum Einsatz kommen.
