Fäden und mehr….Threads and more

Ein roter Faden zieht sich durch die meisten meiner Projekte, sie brauchen meist viel länger als ursprünglich gedacht.

Das Projekt von dem ich heute berichten möchte war da keine Ausnahme. Im Gegenteil, es dürfte der Rekordhalter sein, was die Zeitspanne zwischen erstem Schritt und Vollendung angeht.

Angefangen hat alles vor ca. 3 Jahren, als ich dabei war verschiedene Fasern auszuprobieren. Ich bekam eine Mischung aus 70% Merino Wolle und 30% Maulbeerseide in die Finger, und war verliebt.

Zumindest in das Ergebnis.

Auf Grund der feinen Wollfasern, und dem Seidenanteil, ist dieses Material nicht unbedingt leicht zu spinnen. Ich hatte immer wieder mit Elektrostatik zu kämpfen, und war nach dem Spinnen meist mit Fasern bedeckt, die meinten an mir kleben bleiben zu müssen.

Aber das entstandene Garn war wunderbar weich, mit einem tollen Seidenschimmer. Perfekt für einen Schal.

Doch hier stieß ich auf den ersten, zeitraubenden Faktor. Nach ein paar Berechnungen stellte ich fest dass ich einige Stränge Garn spinnen musste um genug für einen gewebten Schal zu haben. Mehrfach musste ich Material nachkaufen.

Immer mal wieder zwischen anderen Projekten gesponnen, brauchte ich ca 1 1/2 Jahre bis ich endlich 8 fertige 50g Stränge mit Längen zwischen 50 und 80 Metern zusammen hatte.

Doch noch war dieses Garn weiß, und das würde auch für einige Zeit so bleiben.

Ich wollte das Garn gerne blau färben, und dafür gibt es, nimmt man Pflanzenfarben, eigentlich nur eine Möglichkeit.

Indigo

Und je mehr ich über den Färbevorgang mit Indigo las, und über die nötigen, chemischen Zusatzstoffe, desto unsicherer wurde ich. Wollte ich mir das wirklich antun?

Eins wurde schnell klar, dieses Experiment würde sich nur für eine größere Menge Garn lohnen. Uns so lag mein Merino/Seide Garn in der Ecke, bis ich endlich genug andere Fasern für mein Indigo Experiment zusammen hatte.

Letztes Frühjahr ergab sich endlich die Gelegenheit, und ein sonniger Tag, denn in der Küche wollte ich mit dem nötigen Hydrosulfit nun wirklich nicht hantieren.

Nach meiner Erfahrung lässt sich Indigofärben schnell zusammenfassen. Tolle Farben, Riesen Schweinkram. Allein die benutzten Töpfe wieder sauber zu bekommen war ein Aufwand den ich mir nicht nochmal antuen möchte. Von der Problematik die Küpe zu entsorgen will ich gar nicht reden.

Aber wenigstens eins hatte es gebracht, wunderschön blaues Merino/Seide Garn. Eigentlich hatte ich mein Garn auf drei verschiedene Farbbäder aufgeteilt, aber die ersten beiden waren im Ergebnis so ähnlich, dass am End 6 dunkle und 2 helle Stränge entstanden.

Bei Schals peile ich meistens eine Länge von ca 2m und eine Breite von 25 cm an. Nach etwas hin und her rechnen entschied ich mich für eine Kettdichte von 4 Fäden pro cm, um sicher zu gehen dass das Garn reichen würde.

Von da an ging alles erstaunlich schnell. Das Spannen der Kettfäden auf dem Gatterkammwebrahmen war innerhalb ca. 1 Stunde erledig. Ich benutzt diesen Webrahmen gerne für Projekte dieser Art, da hier weniger Kettabfall anfällt als auf einem großen Webstuhl.

Um das Garn gut auszunutzen, wählte ich für die Kette ein Muster von jeweils 4 dunklen Fäden, gefolgt von 2 hellen.

Schnell waren die Fäden in die Löcher des Gatterkamms verteilt, und schon war der Webrahmen einsatzbereit.

Das Weben ging zügig voran. Ich hatte mit Problemen durch Elektrostatik und zu starkem Abrieb der Fasern gerechnet, und war positiv überrascht dass alles viel reibungsloser lief als erwartet.

Da ich noch helles Garn übrig hatte, fügte ich nach jeweils ca. 10 cm Schussstreifen in hellblau hinzu.

Nach ca. 3 Jahren Vorbereitung konnte ich dieses Projekt endlich zum Abschluss bringen, und wurde mit einem tollen, weiche Schal mit leichtem Seidenglanz belohnt.


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