Fäden und mehr….Threads and more

Winterzeit ist Sockenzeit. Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen kälter werden kommen bei mir jedes Jahr die warmen Wollsocken raus um als Hausschuhersatz über den normalen Socken getragen zu werden.

Und jedes Jahr, wenn das Sockenstricken beginnt stellen sich zwei Fragen. Wird der Strang Wolle reichen und wie lange dauert es bis die ersten Löcher in den Socken erscheinen. Oft komme ich mit dem Socken reparieren kaum hinterher, so schnell fällt all die mühsame Arbeit wieder auseinander.

Diesen Winter sollte ein Experiment helfen endlich belastbare Antworten auf diese Fragen zu finden. Der Gedanke dahinter ist ganz einfach. Spinne verschiedene Garne, stricke daraus Socken, und beobachte wie gut diese den Beanspruchungen des Alltags stand halten.

Das Garn:

Für den ersten Versuch wählte ich süddeutsche Merinowolle, die ich vor einiger Zeit als Kilo gekauft hatte. Anders als ihr Name vermuten lässt, ist diese Wolle nicht so fein und flauschig dass sie sich für Schals oder ähnliches eignen würde. Ich benutzte sie meist als Allzweckwaffe für verschiedene Projekte und daher schien sie ein guter erster Kandidat für dieses Experiment.

Ich wollte mit dieser Wolle zwei verschiedene Garne ausprobieren. Einmal als normal verzwirntes Garn, und einmal als Navajogezwirntes Garn.

Als Schätzwert setzte ich 100g fertiges Garn an. Also bestand der erste Schritt daraus aus jeweils ca. 50 g Wolle möglichst dünne Einzelfäden zu spinnen. Dabei spinne ich nie nach irgendwelchen technischen Daten sondern verlasse mich auf mein Gefühl. Beim nachmessen ergab sich dass meine Singles etwa 11 Umwicklungen pro cm ergaben. Das verzwirnte Garn lag bei ca 6 Umwicklungen und brachte es auf ca. 90g mit einer Gesamtlänge von ca. 140 m.

Bei dieser Menge Garn/Wolle bot sich das Färben mit Säurefarben an. Ich wählte drei verschiedene Blautöne, und die Wolle für das Navajogezwirte Garn kam auch gleich mit in den Topf.

Die Socken:

Nachdem das Garn getrocknet war ging es endlich ans Stricken. Ich schnappe mir Manuela Burkhardts Buch Socken Stricken und suchte mir als Model das “kleine Pinke” aus. Das passte farblich zwar nicht, das Wellenmuster der Socken versprach aber gut mit den Blautönen zu harmonieren.

Eine Maschenprobe ergab dass ich mit den im Buch angegebenen 60 Machen arbeiten konnte und so der Anleitung ohne umrechnen folgen konnte.

Nach und nach entstand nun ein, und dann ein zweiter Socken. Das Garn ließ sich gut stricken, allerdings hatte ich die Farbe beim Färben überdosiert, so dass ich jedes Mal beim Sticken blaue Finger bekam.

Leider sollte dies nicht die einzige Komplikation bleiben. Der zweite Socken war erst halb fertig, als das Garn alle war. Also hieß es neu spinnen (womit dann auch der letzte Rest meiner Wolle verarbeitet war). Leider hatte ich nur noch zwei Blautöne zum Färben übrig, so dass ich ein wenig improvisieren musste.

Bei Einzelstängen wie diesem Ersatzgarn fixiere ich die Farbe gerne mit Dampf in einem alten Sterilisator für Babyflaschen. Das funktioniert erstaunlich gut und erspart den Kochtopf.

Leider war das Farbergebnis durch das fehlende Blau etwas anderes als zuvor, aber endlich konnte ich die Socken fertig stellen.

Als Erkenntnis blieb neben den blauen Fingern und dem falsch berechneten Garn dass alles viel länger gedauert hatte als gedacht. Also, beim nächsten Mal besser vorausplanen, bevor die Füße kalt werden.

Wie gut die Socken dem Praxistest standhalten muss nun die Zeit zeigen, und ein Bericht über das Navajogarn folgt sobald dieses fertig ist.


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